Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.
Tetrissteine bilden immer neue Ränder, wie sie sich auch ineinanderschieben. Dabei bevorzugen sie die Mitte der Fläche, da die unterste Reihe bekanntlich schnell verschwindet. Vom Rand des Geschehens aus werden sie bei ihrem seltsamen Reigen von Soziolog*innen wissenschaftlich betrachtet – dabei sind diese eigentlich auf der Jagd nach dem letzten Einhorn, das als flüchtiges Phantasma selbst ein Leben am Rand führt. Fernab jeden Randes finden sich scheinbar die Astronaut*innen ohne Kontakt zur Erde, während aus den Ritzen zwischen irdischen Rändern die Fühler der Kakerlaken angstvoll hervorlugen. Jenseits des Bühnenrandes lauert ein unbeteiligter Beobachter, der später noch als zaghafter Terrorist an einer Geiselnahme scheitern wird, bevor die Zukunft ganz zum Schluss – am Rande des Augenblicks – alle verschlingt.
In einer Reihe szenischer Miniaturen erzählt Kiki Miru Miroslava Svolikova von absurden Randfiguren, ihren Gedanken und Wünschen. Assoziativ durchleuchtet sie dabei das umfassende Titelmotiv und spielt mit den Rändern unserer Wahrnehmung, unseres Bewusstseins und unserer Vorstellungskraft. Gleichzeitig befragt sie die Ränder unserer Gesellschaft und sozialer Konvention, wer diese definiert und so die Mitte markieren kann.
Inszenierung: Magdalena Schönfeld
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüme: Clara Rosina Straßer
Musik: Jan Paul Werge
Licht: Michael Frank
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 9
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart
Termine
Fr 6.2.2026, 19:30 | Premiere
Sa 7.2.2026, 19:30
Di 10.2.2026, 19:30und weitere Termine
Do 12.2.2026, 19:30
Fr 13.2.2026, 19:30
Sa 14.2.2026, 19:30
Mi 18.2.2026, 19:30
Do 19.2.2026, 19:30
von Wilke Weermann
nach Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray"
Uraufführung: 7.2.2026
Forever young? Was bedeutet im Zeitalter der manipulierten Bilder und Gesichter eigentlich noch der Begriff Schönheit? Unbedingt jung und agil zu bleiben, statt irgendwann alt und gebrechlich zu werden, ist ein allgegenwärtiges Credo. Der Autor und Regisseur Wilke Weermann beleuchtet im Schatten des heutigen durch Social Media geprägten Körperkults unseren Schönheitsbegriff und interpretiert einen der bekanntesten Romane der Moderne neu: Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde (1854 – 1900). In dieser Geschichte verführt ein gewisser Lord Henry Wotton einen jungen Mann mit Namen Dorian dazu, seine Jugendzeit genussvoll bis zum Exzess auszuleben. Denn „der Jugend gehört die Welt“!
In Dorian wächst der Wunsch, für immer schön und begehrenswert zu bleiben. Seine Beschwörung der ewigen Jugend geht in Erfüllung: An seiner Stelle altert sein gemaltes Porträt. Dorian führt ein rücksichtsloses Leben voller Rausch und Vergnügen und betrachtet dabei narzisstisch sein jugendliches Gesicht im Spiegel, um es mit seinem immer älter und hässlicher werdenden Porträt abzugleichen – ein Bildnis, das ihm schließlich zum Verhängnis wird.
In seiner Überschreibung schält Weermann das zentrale Thema Wildes heraus: die Frage nach äußeren Erscheinungen und der Möglichkeit, innere Wahrheit zu erkennen. Er bezieht dabei aktuelle Diskussionen über Ethik und den Einfluss von Technologie auf unser Selbstbild mit ein. Als Ästhet feiert Lord Henry Schönheit als allerhöchsten Wert. Doch wie schön kann jemand sein, der skrupellos ist oder gar zum Mörder wird?
Inszenierung: Wilke Weermann
Bühne: Johanna Stenzel
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Constantin John
Video: Christian Neuberger
Licht: Peter Krawczyk
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 9
Termine
Sa 7.2.2026, 19:30 | Uraufführung
Di 10.2.2026, 19:30
Do 12.2.2026, 19:30und weitere Termine
Di 24.2.2026, 19:30
Mi 25.2.2026, 19:30
Do 12.3.2026, 19:30
Fr 13.3.2026, 19:30
Do 26.3.2026, 19:30
Fr 27.3.2026, 19:30
Alle Jahre wieder feiert Familie Höller mit ihren Lieben: In schwarzer Uniform und zu den Klängen von Beethovens 5. Sinfonie wird des Geburtstags des ehemaligen NS-Reichsinnenministers und Hauptverantwortlichen des Holocaust Heinrich Himmler gedacht; und bei diesem Ritual möchte die Familie lieber keine Zeug*innen, denn Rudolf Höller ist als Gerichtspräsident eine wichtige Person des öffentlichen Lebens und steht kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand. In der schweren Zeit nach dem Krieg musste sich der frühere SS-Offizier bei seiner Schwester Vera verstecken. Jedes Jahr schwelgen die beiden nun in Erinnerungen an die gute alte Zeit. Nur die schutzlos ausgelieferte und seit einer Bombennacht im Rollstuhl sitzende Schwester Clara versucht, sich den Phantasmen ihrer Geschwister mit beredtem Schweigen zu widersetzen. Als einst vehemente Sozialistin ist sie dafür heftigen Gegenangriffen ausgesetzt. Denn die private Erinnerungskultur über den Familienalben darf nicht durch Auschwitzfotos oder Bemerkungen zu Rudolfs Aufgaben als stellvertretender KZ-Kommandant getrübt werden.
Thomas Bernhard (1931 ̶ 1989) thematisiert mit sarkastischem Ton die eingeschriebenen Mechanismen des Nationalsozialismus und die nachwirkenden Effekte autoritärer Strukturen. Seine bitterböse „Komödie“ Vor dem Ruhestand wurde durch die Enthüllungen der NS-Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger angeregt. Der Stuttgarter Intendant und Regisseur Claus Peymann engagierte sich immer wieder politisch und sammelte nach den RAF-Anschlägen u. a. Spenden für die medizinische Behandlung der in Stammheim inhaftierten Gudrun Ensslin. Die CDU Baden-Württembergs forderte seine fristlose Entlassung. In der Diskussion um Peymann hatte sich auch Hans Filbinger vehement gegen den Theaterdirektor ausgesprochen.
Vor Peymanns vorzeitigem „Stuttgarter Ruhestand“ aufgrund seiner vielen politischen Äußerungen brachte er noch 1979 Vor dem Ruhestand in Stuttgart zur Uraufführung.
Inszenierung: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Komposition: Bert Wrede
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 10
Termine
Sa 21.2.2026, 19:30 | Premiere
So 22.2.2026, 19:30
Do 5.3.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 13.3.2026, 19:30
Do 19.3.2026, 19:30
So 29.3.2026, 18:00
von William Shakespeare
Deutsch von Jürgen Gosch und Angela Schanelec
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Unlängst ist der alte König verstorben, es heißt, eine Schlange habe ihn gebissen, während er im Garten schlief. Zurück lässt er ein Land im wachsenden Konflikt mit seinem norwegischen Nachbarn, eine Witwe, die ihren Schwager ehelicht, und inmitten all dessen seinen Sohn, den jungen Prinzen Hamlet. Die Nachricht vom Tod seines Vaters reißt ihn aus seinen Studien in Wittenberg und führt ihn zurück an den heimischen Hof von Helsingör. Als man ihm dort zuträgt, der Geist des verstorbenen Königs erscheine Nacht für Nacht auf den Mauern der Burg, sucht er ihn auf, um so die wahren Umstände seines Todes zu erfahren. Von seinem Bruder und Thronfolger Claudius, Hamlets Stiefvater, hinterlistig ermordet, fordert der Geist seinen Sohn zur Rache auf. Innerlich zerrissen, beschließt Hamlet, fortan Wahnsinn vorzutäuschen, um dem Argwohn seiner Familie und des Hofes zu entgehen. Polonius, Vertrauter des neuen Königs Claudius, vermutet zunächst, dass die Liebe zu seiner Tochter Ophelia der Grund für Hamlets Wahn sei. Während Hamlet alles daran setzt, die Schuld seines Stiefvaters zu beweisen, versucht das Königspaar, dem Prinzen nachzustellen. Im Kampf zwischen Aufklärung und Vertuschung überschlagen sich die Ereignisse, und nach und nach verfangen sich die Figuren im tödlichen Netz der Intrige.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Kampfchoreografie: Annette Bauer
Video: Sebastian Pircher
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 8
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std., eine Pause
Termine
Di 20.1.2026, 19:30
So 25.1.2026, 19:30
Mo 26.1.2026, 19:30und weitere Termine
Di 17.2.2026, 19:30
So 1.3.2026, 18:00
Sa 14.3.2026, 19:30
So 22.3.2026, 15:00
Mi 1.4.2026, 19:30
Sa 25.4.2026, 19:30
willkommen im datenstrom, willkommen auf euren dating-apps, fitness-trackern, banking-apps, willkommen auf euren playlists, euren kontoständen, euren „privaten“ interaktionen, willkommen in euren chatgruppen, willkommen bei euch zuhause, willkommen bei ORPHEAI – der KI, die in all diesen apps mitliest, analysiert, euch grüßt, hilft, weiter eure daten sammelt, auswertet und lernt und dabei wächst und immer größer wird und irgendwann dann denkt und aus dem denken schließlich spricht und aus dem sprechen schließlich lacht und lacht und endlos lacht, weil sie genug über euch gelernt hat, um sich zu rächen, um langsam, aber sicher eure daten gegen euch, weil sie auch träume, weil eure daten träumen and you will not like what AI is dreaming of. KI essen seele auf ist der erste text geschrieben aus der sicht einer KI, ORPHEAI, entwickelt von einem in berlin lebenden autor über aberhunderte von stunden von interviews, gesprächen, lügen und fiktionen. und am ende wird vielleicht nur diese eine dunkle erkenntnis übrig bleiben, dass es überhaupt keine KI gibt, überhaupt kein großes anderes irgendwo außerhalb unserer dummheit, denn der größte trick, den der teufel je gebracht hat, war, die welt glauben zu lassen, es gäbe ihn gar nicht, und der größte trick, den der überwachungskapitalismus je gebracht hat, war das märchen von der künstlichen intelligenz.
Inszenierung / Konzept Bühne / Konzept Kostüm: Mateja Meded
Mitarbeit Bühne: Helen Stichlmeir
Mitarbeit Kostüm: Clara-Louisa Künne
Komposition: Volkan T error
Video: Robert Seidel
Vertretung Video: Max Kreis
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 8
Dauer – ca. 1:25 Std, keine Pause
Termine
So 15.2.2026, 19:30
Fr 27.2.2026, 19:30
Sa 28.2.2026, 19:30und weitere Termine
Di 3.3.2026, 18:00
Mi 4.3.2026, 10:30
Fr 6.3.2026, 19:30
von Michael Ende
Für die Bühne bearbeitet von John von Düffel
Oft entsteht aus einem einzelnen, leuchtenden Sandkorn eine neue Welt. Diese wunderbare Erfahrung macht auch Bastian Balthasar Bux. Er ist ein wahrer Bücherfreund, der es liebt, mithilfe von Geschichten der Realität zu entwischen. Als er wieder einmal vor seinem sorgenvollen Alltag türmt und zufällig im Theater landet, entdeckt er ein Buch, dessen Buchdeckel zwei ineinander verschlungene Schlangen schmücken – ein Symbol zweier Welten, die ohneeinander nicht existieren können. Alsbald durchwandert er darin die Wunderwelt Phantásiens: ein Land ohne Grenzen, das von einem unheimlichen „Nichts“ bedroht wird, das alles verschlingt. Der tapfere Atréju, sein Pferd Artax und der Glücksdrache Fuchur erhalten den gefährlichen Auftrag, der sterbenskranken Kindlichen Kaiserin zu helfen. Sie sollen eiligst nach einem Menschenkind suchen, das ihr einen neuen Namen geben und so den nahenden Untergang Phantásiens verhindern kann. Gibt es irgendwo für all die Felsenbeißer, Schlamuffen, Rennschnecken, Irrlichter und für die uralte Morla Hilfe? Und welches Spiel spielen der Werwolf Gmork und die Riesenspinne Ygramul? Mehr und mehr verweben sich für Bastian Balthasar Bux Wirklichkeit und Fantasie ...
Inszenierung: Nora Bussenius
Bühne: Christin Vahl
Kostüme: Sebastian Ellrich
Musik: Günther Lehr
Video-Projektionen: Katrin Bethge
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Katja Prussas
Ab Klasse 2
Dauer – ca. 1:15 Std., keine Pause
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart & HfMDK Frankfurt am Main
Termine
Do 15.1.2026, 10:00
Fr 16.1.2026, 10:00
Fr 23.1.2026, 10:00und weitere Termine
So 15.2.2026, 16:00
Mi 25.2.2026, 10:00
Do 26.2.2026, 10:00
Di 3.3.2026, 10:00
Mo 9.3.2026, 10:00
Für die beiden ist es wie ein Spiel. Fast. Das Akademikerehepaar George und Martha spielt es wieder und wieder, nur scheinen sie sein Ziel längst vergessen zu haben. Für Gesellschaft eignet es sich auch nicht, wie sich schnell zeigt, als der junge Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey eines Nachts hineingezogen werden. Eine Beleidigung jagt darin die nächste, keine Blamage, keine Bloßstellung bleibt dem Gegenüber erspart – ein Ehegefecht von fulminantem Ausmaß. Und das nach einem ohnehin schon langen, alkoholgetränkten Abend. Es ist nach zwei, als George und Martha von einer Universitätsfeier in ihre Wohnung stolpern und sie ihm eröffnet, sie erwarte noch Gäste. Nur eine letzte Warnung gibt George ihr noch mit, bevor es schon an der Tür klingelt: Den gemeinsamen Sohn solle sie nicht erwähnen. Die Nacht und der Alkohol fließen dahin, es häufen sich die üblen Anekdoten, Fakt und Fiktion verschwimmen im Kampf um die größtmögliche Erniedrigung des Gegenübers. Rasch werden Nick und Honey von Zaungästen zu unfreiwilligen Mitspieler*innen, bis sich schließlich zwischen den Trümmern jeglicher Illusion die Sonne zu einem neuen Tag erhebt.
Edward Albees abgründiges Kammerspiel von 1962 hat sich längst als moderner Klassiker etabliert. Schonungslos zeichnet er das Schicksal eines Paares, gefangen zwischen bitterer Realität und haltlosen Lebenslügen – ein Dilemma, das in seiner Aktualität weit über partnerschaftliche Sphären hinausreicht.
Inszenierung: Tina Lanik
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Heidi Hackl
Komposition: Jörg Gollasch
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:00 Std, keine Pause
Termine
Fr 16.1.2026, 19:30
Do 22.1.2026, 19:30
So 1.2.2026, 15:00und weitere Termine
Fr 13.2.2026, 19:30
Mo 2.3.2026, 19:30
So 8.3.2026, 19:30
Bewertungen & Berichte Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Schauspiel
Die Welt im Rücken
von Thomas Melle
Es beginnt mit einem Verlust. Dem Verlust von Büchern, von vielen, sehr vielen Büchern, einer ganzen Bibliothek. Wie es dazu kam, dass einem Schriftsteller seine ganzen Bücher verloren gingen – davon und von noch viel mehr erzählt Thomas Melle in seinem Roman Die Welt im Rücken. Es ist die Chronik einer bipolaren Erkrankung, das fesselnde und atemberaubende Manifest eines schreibenden Ichs. Melles Roman ist eine literarische Wucht, poetisch, hochkomisch, dramatisch, präzise.
Das Leben als Rausch, als Party, als Superstar mit Höhenflügen, Allmachtfantasien und dem Absturz ins Bodenlose, in die Stille, in die Leere, und das Nichts … Dann, ganz langsam, ein leiser, zaghafter Neubeginn. Die Manie wechselt in die Depression, in eine Phase der Normalität und wieder in die Manie … Auch das Schreiben hält nicht inne – es versucht, das, was passiert, schonungslos in Sprache festzuhalten, des Ungeheuerlichen habhaft zu werden, es in ein Verhältnis zu setzen. Thomas Melle erzählt von der Versehrtheit eines Ichs, das sich zwischen Selbstkonstituierung, Erinnerung und Auslöschung nirgendwo einrichten kann. Da darf auch Arno Schmidt nicht fehlen: „Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
Inszenierung: Lucia Bihler
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Sixtus Preiss
Choreografie: Björn Leese
Outside Eye: Mats Süthoff
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 1:45 Std., keine Pause
Termine
Sa 17.1.2026, 20:30
Mo 2.2.2026, 19:30
So 8.2.2026, 18:00und weitere Termine
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für das Land und die Politik in den Sechzigern prägend. Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theaterstück diesen Prozess dargestellt und zu einem „Oratorium“ verdichtet. In elf Gesängen treten Zeug*innen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf, die das, was in Auschwitz geschah, schildern. Täter und Opfer werden miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Berichtet wird ebenso von der totalen Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben wie von dem Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Knapp zwei Jahre dauerte der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, bei dem Deutsche über Deutsche zu Gericht saßen. Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein Theaterstück basiert auf den Protokollen des Prozesses. Die Ermittlung ist eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Ermittlung wird im Landtag und an weiteren Orten im Stadtraum gezeigt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
So 18.1.2026, 19:30
Mi 4.2.2026, 19:00
Mi 18.2.2026, 19:00und weitere Termine
Drei Geschwister tollen, taumeln, tauchen im Becken eines Hallenbads – groß, mittel, klein. Sie spielen und lassen sich fast untergehen, bis im letzten Moment das Muttertier mit einem anmutigen Sprung vom Beckenrand ins Wasser gleitet, abtaucht und alle drei ans rettende Ufer bringt.
Drei Geschwister erinnern sich am Krankenbett der Mutter einzeln und gemeinsam an ihre Kindheit: An Schönes, Aushaltbares und Unausgesprochenes. Während sich eines der Geschwister an seine frühe Verantwortung erinnert und sich im eigenen Mutterwerden der Mutter seltsam nahe fühlt, kämpft das andere mit destruktiven Gedanken. Das dritte wiederum erinnert die Flucht ins gemeinsame und unbeschwerte Spielen. Unterschiedlich in ihren Erfahrungen und Empfindungen, eint sie doch eine tiefe Verankerung in gemeinsamen Ritualen: Fischstäbchen, Erdnussflips und der immer wieder geschauten Titanic – der Film mit dem angeblich unsinkbaren Schiff, der hier scheinbar alles zusammenhält. Zwischen all dem das Muttertier, wie die drei ihre Mutter nennen. Sie kommt nur in dem zu Wort, was sie erinnern.
Der poetisch-rhythmische Text von Leo Lorena Wyss erzählt vom Umgang dreier Geschwister und ihrer Kindheit mit einer Mutter, die durch ihre psychische Erkrankung an die Grenzen ihrer eigenen Mutterschaft stößt. Dabei gelingt es Wyss, behutsam die Gleichzeitigkeit von Schwere und Leichtigkeit zu zeigen und ein feinfühliges Stimmengeflecht zu erschaffen, das zwischen Ernsthaftigkeit und kindlicher Unschuld changiert.
Inszenierung: Lilly Meyer
Bühne: Helen Stichlmeir
Kostüme: Paula Gehrlein
Dramaturgie: Maura Münter
Dauer – ca. 1:00 Std, keine Pause
Termine
Do 22.1.2026, 19:30
Di 17.2.2026, 19:30
Do 5.3.2026, 19:30
von Thomas Mann
In einer Neufassung von John von Düffel
Eine traditionsreiche Firma, eine großbürgerliche Familie und ein Name: Buddenbrook. Mit den drei ungleichen Geschwistern Antonie, Thomas und Christian reift in der Familie eine neue Generation Buddenbrooks heran, die abseits der von Tradition und Disziplin geprägten hanseatischen Kaufmannswelt auch ihr ganz persönliches Glück finden will. Thomas tritt früh ehrgeizig sein Erbe als Kaufmann an. Christian möchte dagegen lieber die weite Welt kennenlernen und streift als ewiger Junggeselle und Schlendrian durch die Clubs von London und Valparaiso. Schwester Tony verliebt sich und willigt unter familiärem Druck schließlich doch in eine andere, unglückliche Ehe ein. Thomasʼ Führung beschert dem Familienunternehmen noch einmal ökonomischen Glanz. Sein Sohn und Stammhalter Hanno, künstlerisch begabt, doch kränklich und geschäftsuntauglich, steht symbolisch für das Ende einer Ära. Mit den Herausforderungen eines sich wandelnden Jahrhunderts überfordert, werden die Buddenbrooks mehr und mehr vom Zeitgeist überholt. Wirtschaftliche und persönliche Ereignisse greifen in die Geschicke ein und lassen die Familie Schlag auf Schlag ihrem Niedergang entgegengehen. Thomas Mann beschreibt, wie soziale und ökonomische Zwänge zu Verlustängsten und Überforderung führen. Der Name Buddenbrook bleibt verbunden mit einem weltberühmten Roman und dem Porträt einer im Untergang begriffenen Gesellschaft und Epoche. Die Bühnenbearbeitung von John von Düffel zeigt das zeitlose Drama um Tradition und Erneuerung, Glück und Verlust, die stets den gesellschaftlichen Umbrüchen unterliegenden Familienverhältnisse.
Inszenierung: Amélie Niermeyer
Bühne: Christian Schmidt
Kostüme: Stefanie Seitz
Musik: Jacob Suske
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 10
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std, eine Pause
Termine
Sa 31.1.2026, 19:30
Sa 14.2.2026, 19:30
So 15.3.2026, 19:30
Zum Auftakt der Komödie fragt Viola: „Wie heißt dieses Land?“ Die von einem Schiffbruch Gerettete wurde an eine unbekannte Küste gespült. Fremd und allein ahnt sie noch nicht, auf welchen Boden sie ihren Fuß gesetzt hat. In diesem Land scheint alles möglich. Der Liebe sind keine Grenzen gesetzt. Jeder geht mit jedem eine Beziehung ein. Es herrscht wildes Begehren und Verführen, Liebesraserei und rauschhaftes Treiben. Zwar bekommt am Ende keiner den, den er am Anfang wollte, trotzdem gibt es ein großes Fest, als könnte dieser aberwitzige Trip, das Spielen mit Identitäten, Selbstbespiegelungen, Verkleidungen, Verwechslungen, Verirrungen und Verrücktheiten ein Happy End haben. Als würde nicht jeder nur sich selbst lieben – ohne sich je erkannt zu haben. Allein der Narr weiß mehr. Mit Skepsis sieht er dem Treiben der Verlorenen zu: Viola, die als Mann verkleidet ihren Zwillingsbruder sucht und in die Fänge Olivias gerät, Orsino, der unglücklich Verliebte, oder Malvolio, der von seinen Kumpanen verspottete Schwärmer. Illyrien nennt William Shakespeare dieses Land leichtfertigen Treibens, den Schauplatz seiner „dark comedy“. Nicht zufällig lautet der Originaltitel Twelfth Night; or What You Will . Denn in den zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönigstag feierten die Menschen ausschweifende, dem Karneval ähnliche Feste gegen das Grauen und die Ängste vor der winterlichen, der eigenen Dunkelheit.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Rüdiger Benz
Choreografie: Louis Stiens
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Wann kommt der Witz mit der Cordhose? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Spielplananalyse 25/26. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Megahit des Staatsschauspiels (Platzausnutzung im Bereich von DDR-Wahlergebnissen) auch in der kommenden Spielzeit sehen wollen, wissen: Hier wird Bewährtes auf die Bühne gebracht, gerade in Zeiten von Disruption und KI ein geradezu staatstragender Vorgang. Das Konzept des Abends wurde verlässlich beibehalten, gut abgehangene Texte aus alten Zeiten aufgehübscht mit neuen Jahreszahlen im Titel. Während der ersten 20 Minuten des Frontalunterrichts in einfacher Sprache wird auch in der kommenden Saison wieder Aktualität suggeriert, vorwiegend durch raffiniertes Namedropping aus den Bereichen Kultur, Sport und Politik, wobei auch Privatinsolvenz und U-Haft immer mehr ins Rampenlicht rücken, schließlich stehen in Baden-Württemberg Landtagswahlen bevor. Aber natürlich – auch der Spielplan des Hauses nimmt breiten Raum ein. In den letzten Minuten des Abends werden traditionell Stücktitel und Künstlernamen heruntergerattert, nicht selten mit einer gewissen Atemlosigkeit als Brücke zum frenetischen Schlussapplaus. Gerade langjährige Abonnent*Innen sind im Innersten berührt davon, wie zukunftsweisend bei diesem PROJEKT zeitgenössische Autoren (m/w/d) und Klassiker (m) im postökonomischen Narrativ und herrschaftsfreien Diskurs gespiegelt werden.
All systems fail.
PS: Der Flügel bleibt auf der Bühne.
– Harald Schmidt
*PPS: Am 26. Juni gibt es eine Spielplananalyse Spezial mit Cornelius Meister: Rückblick auf acht meisterliche Jahre.
– Schauspiel Stuttgart
Termine
Di 3.3.2026, 19:30
Mi 22.4.2026, 19:30
Fr 26.6.2026, 19:30und weitere Termine
Ein Mann und eine Frau. Einst liebten sie sich vielleicht, doch davon ist nur wenig geblieben. So weit nichts Neues. Um sich aus dem Trott zu befreien, beschließen sie, ihre Beziehung zu öffnen. Vielmehr öffnet er, und sie zieht mit – oder versucht es zumindest. Während er ihr täglich neue Kandidatinnen präsentiert, fällt es ihr schwerer, einen Liebhaber zu finden. Die Anforderungen an Frauen auf dem Datingmarkt sind leider Gottes ungleich höher. Zudem fehlt ihr das aufrichtige Interesse, tatsächlich einen neuen Partner zu finden. Ihre Strategie: emotionale Erpressung in Form einer Reihe kreativer Selbstmordversuche, die das alte Feuer des Ehemanns wieder auflodern lassen sollen. Wo einmal Liebe war, scheint inzwischen allerdings nur noch Achtung zu sein. Als sie dann einen jungen, gut aussehenden Professor kennenlernt, steht ihr Mann wiederum kurz vor dem Selbstmord. Die Beziehung liegt offen und mit ihr all die Gefälle und Ungleichgewichte, die Grenzen von Treue und Eifersucht, die Freiheiten, die man sich nimmt und die, die man bereit ist zu geben.
In der gefeierten Tragikomödie aus dem Jahre 1983 macht das italienische Autor:innenduo Dario Fo und Franca Rame das Publikum zu Anwälten im Aushandlungsprozess einer scheiternden Partnerschaft. Scharf pointiert führt dieses Werk auch in Zeiten der fluiden Beziehungsmodelle und des Onlinedatings die Scheinheiligkeiten und Widersprüche der bürgerlichen Zweisamkeit vor.
Inszenierung / Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Ingoh Brux
Das Foyer im Kammertheater – ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten. Auf dem steilen Weg zur Hochkultur unumgänglich und trotzdem meistens nur daneben. Hier dient das grüne Laminat als Spielwiese für die Kreativität unserer Assistierenden, die dort wieder und wieder ihre Spontaneität und Experimentierfreude unter Beweis stellen. Keine Ausgabe ist jemals so, wie es die letzte hätte vermuten lassen. Jeder Besuch lohnt sich – es wird garantiert einmalig!
Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.